Gendern oder nicht?

Über Sprache, Diskriminierung und Gendersternchen

In seiner letzten Ausgabe hat sich das DJV NRW Journal dem Thema Sprache und Diskriminierung gewidmet. Neben dem sensiblen Umgang mit Sprache in den Medien und ihren Auswirkungen auf die Gesellschaft ging es im Artikel von Marie Illner* auch um das seit einigen Jahren schon kontrovers diskutierte Gendersternchen: Die einen verfechten es als Mittel der Wahl, um Frauen sichtbarer zu machen, für die anderen ist es simple Sprachverhunzung, die den Lesefluss stört.

Für mich die Gelegenheit, einmal darüber nachzudenken, wie ich selbst es in meinem Schreiballtag halte. Und ich muss gestehen, dass ich das Gendersternchen bislang in den wenigsten Fällen verwende. Zuletzt schrieb ich beispielsweise in einem Social-Media-Post „Liebe Freunde und Kollegen“, sprachsensibler hätte ich entweder „Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Kolleginnen und Kollegen“ oder „Liebe Freund*innen und Kolleg*innen“ schreiben müssen.

Die erste Variante scheidet aufgrund der Länge aus, die zweite wäre nur unmerklich länger gewesen, aber fühlt sich für mich fremdartig und künstlich an. Ich selbst fühle mich bei Verwendung des generischen Maskulinums nicht ausgeschlossen und in meinem persönlichen Umfeld geht es vielen ähnlich. Vielleicht liegt es zum Teil daran, dass ich mich aufgrund meiner Übersetzerausbildung mit Französisch und Spanisch als Schwerpunkt in weiteren Sprachwelten bewege, in denen es ebenfalls (noch) selbstverständlich ist, bei gemischten Gruppen die männliche Form zu benutzen.

Diskriminierung oder bloße Grammatik?

Ist das wirklich Diskriminierung oder bloße Grammatik? Ehrlich gesagt, habe ich mich damit noch nicht befasst. Andere Themen, wie etwa die gleiche Bezahlung bei gleicher Arbeit oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, standen und stehen für mich im Vordergrund. Und um beim Thema Sprache und Diskriminierung zu bleiben, finde ich es wichtiger, bestimmte Stereotype zu vermeiden (es sei denn, es geht um Satire, aber das steht auf einem ganz anderen Blatt).

Wie halte ich es denn nun bei MINUTEMAGZ? In kürzeren Beiträgen in den sozialen Netzwerken oder auf Tumblr, in denen es etwa um die Teilnahme an Wettbewerben und Preisen geht, hat das Gendersternchen seinen Platz. Auch in Stellenangeboten kann ich es mir gut vorstellen, auch wenn sich hier die Variante „Männliche Form oder englische Berufsbezeichnung (m/w/d)“ eingebürgert hat. Wo es bei mir keinen Platz hat, ist in längeren Artikeln, denn für mich lenkt es zu sehr von der eigentlichen Aussage des Textes ab.

Aber wie sagte schon „der Alte Fritz“, Friedrich der Große: „Jeder soll nach seiner Fasson selig werden“. Damit hat er die Einführung der Religionsfreiheit in Preußen begründet. Und darum sollte es in der Sprache ja auch gehen: Um Toleranz und Vielfalt – mit oder ohne Gendersternchen.

*Wer den Artikel, in dem unter anderem die Journalistin und Politologin Kübra Gümüşay, der stellvertretende Chefredakteur der WAZ, Dr. Alexander Marinos, und Radiomoderatorin Konstantina Vassiliou-Enz zu Wort kommen, lesen möchte, dieser ist frei zugänglich unter: https://journal-nrw.de/eine-art-hirntraining/

(Bild: Peggy und Marco Lachmann-Anke, Pixabay)